Genau zur Halbzeit sind Mama und Papa gekommen...
Ich weiss noch, wie aufgeregt ich war am Tag ihrer Ankunft. Wir hatten vor Abflug nochmal telefoniert in Dubai und am nächsten Morgen hat meine Gastschwester Isabella Gina und mich zum Flughafen gefahren. Haha, ich hatte echt Schiss, dass sie noch den Wagen zu Schrott fährt und Mama und Papa ewig auf mich warten müssten :) Gar nicht mal so unberechtigt, bei diesem heftigen Regenfall, also sehr weit konnte man ja nicht sehen. Und es war auch genau die Zeit, in der die grossen Überschwemmungen in QLD waren und kurz vor standen. Wie auch immer, sind wir nach einer Stunde endlich im Hotel Ibis in Brisbane angekommen und da habe ich sie gesehen.... Ein so unglaublich eigenartiges Gefühl meine Eltern einfach da stehen zu sehen... So vertraut und wie immer, aber einfach eigenartig, dass sie so in meiner Welt standen auf einmal. Australien war etwas, was nur ich kannte hier, niemand den ich kenne, war hier vor mir... Und plötzlich waren sie da. Und es war ein unglaubliches Freudengefühl, als ich direkt aus dem Auto bin und sie in meine Arme schliessen konnte!!!! Ich weiss noch, wie Mama Tränen in den Augen hatte und Papa auch zu kämpfen hatte... Bei mir war es wie beim Abflug... Unglaublich emotional, aber ich als Mann, hab's zurück halten können. Dann sind wir erstmal aufs Hotelzimmer hoch, haben die Koffer beim Concierge abgegeben, weil Plan war ja, am nächsten Morgen nach Fraser Island zu fahren... In dem Sinne haben wir uns dann noch Brisbane etwas angeschaut, den Hafen entlang und ich habe mich schon gewundert, wie heftig der Fluss angeschwollen ist im Vergleich zum letzten mal.... Naja, wie auch immer hatten wir dann am Hafen dieses super geile Restaurant gefunden und erstmal schön alle ein Steak und Mama Rippchen gegessen und australisch-/deutsch standardmäßig ein Bierchen dazu getrunken.
Nächsten Tag, ab zum Bahnhof, Vorfreude auf Fraser Island. Hmh, Pustekuchen! Aufgrund der Überschwemmungen in ganz Queensland ist der Zugverkehr dahin unmöglich. Also, mit Umbuchung und Hoffnung auf den nächsten Tag, haben wir uns ein Auto für den Tag gemietet. Ich geniale Sau hatte die Idee den Tag über einfach an die Sunshine Coast zu fahren. Ist ohnehin nur eine Stunde Fahrt und war eh auf meiner Liste, die ich für Mama und Papas Trip geplant habe. Aber eins muss ich ja sagen, eine so schlechte Orientierung wie an der Sunshine Coast hatte ich noch nie!! Plötzlich war das Meer auf der anderen Seite, obwohl wir uns völlig sicher waren, dass es auf der anderen war bis vor 1 Minute... Frag den Papa!! Naja, wir haben dann etwas die Stadt angeguckt, die echt schön ist, mit ein paar kleinen Sehenswürdigkeiten wie zB das Schiffswrack und sich nach einem netten Dinner in einem Fischrestaurant wieder Richtung Brisbane.
Nächster Morgen, ab zum Bahnhof, Hoffnung haben auf Fraser Island. Hmh, Pustekuchen! Es ist immer noch überschwemmt, es sieht eher sogar schlechter aus als den Tag davor. Da war der Moment, wo wir Fraser Island erstmal abgeblasen haben und dachten, es auf später zu verschieben. Aber wir hätten ja sowieso bis Samstag (es war um den Dienstag herum an dem Tag) irgendwie die Zeit totschlagen müssen und so sind wir erstmal wieder durch Brisbane durch und haben uns noch ein paar Sachen angeschaut, mit dem Hintergedanken, es morgen mit dem Auto dahin zu versuchen.
Aber am nächsten Tag waren wir frühstücken in einem Pie-Shop und plötzlich haben wir mitbekommen, wie die Flut Brisbane bedroht. Es war in der Nacht zuvor schon zu einer Flash-Flood, einem sogenannten Inlandstsunami, in Toowoomba gekommen, mit zahlreichen Toten. Die Lage hatte sich also verschlechtert. An dem Tag waren alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos, damit jeder die Innenstadt so schnell wie möglich verlassen konnten um zu seinem Haus zu kommen und seine Habseligkeiten retten zu können, da um die 30 Suburbs gefährdet waren. Ich möchte es nicht Katastrophentourismus nennen, aber wir haben uns etwas das Treiben angeschaut, sahen wie plötzlich der Fluss übergetreten war, das Restaurant von vor 3 Tagen unter Wasser stand, die City plötzlich zu einer Geisterstadt wurde und der Pegel langsam, aber sicher stieg. Als wir uns den Fluss nochmal vom Park aus betrachten wurde, kam es nochmal zu einem Treffen, was im Nachhinein ziemlich bizarr klingt. Wir haben mit einem Obdachlosen geredet, der uns eine Säule gezeigt hat mit dem Pegel vom Rekordhochwasser aus den 70ern. Diese war riesig, ungefähr doppelt so hoch wie wir, der Park wäre geflutet gewesen. Und dieser Pegel drohte, wie wir es auch aus den Nachrichten wussten, in den nächsten 2 Tagen von dem jetzigen Hochwasser übertroffen zu werden. Nach diesem Gespräch mit dem Obdachlosen haben wir uns in unser Mietauto gesetzt, überlegt und einstimmend entschieden, dass wir es nicht riskieren wollen, in Brisbane festsitzen zu wollen. Und Tangalooma wäre sowieso stattgefunden bei solch einem Pegelstand. Also hatte ich die Idee, den Besuch an der Gold Coast vorzuziehen und direkt dahin zu fahren. Das Hotel war eh nicht mehr gebucht für die nächste Nacht und vielleicht hätte man ja die Möglichkeit Fraser Island und Tangalooma nachzuholen am Ende der 14 Tage... Mit den Koffern hinten drin sind wir Richtung Gold Coast und haben gesehen, wie ein Bus nach dem anderen Richtung Brisbane geordert worden... zwecks Evakuierung. Der Highway war voll von herangezogenen Bussen aus Logan.